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| PEERS Hauptschul-Mentoren Ausbildungsqualifizierung für chancenlose Hauptschüler/innen in Stuttgart (D) Von der Stuttgarter Bevölkerung sind über 40% Migranten; bei den Stuttgarter Kindern verfügen sogar 60% über einen Migrationshintergrund (oft schon in 3. Generation). Die größte Migrantengruppe stellen unsere türkischen Mitbürger. Fast 80% ihrer Kinder müssen – meist wegen sprachlicher Defizite – von der Grund- schule auf die Hauptschule wechseln; bei deutschen Kindern sind es gerade einmal 10%, denen „nur“ die Hauptschul-Aus- bildung bleibt. |
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| Alle internationalen Studien (PISA-, OECD-, SHELL-Studien) zeigen auf, dass unser dreigliedriges Schulsystem – bei dem die Kinder schon mit 9-10 Jahren (in der 4. Grundschulklasse) in den entsprechenden Schulzweig (Hauptschule, Realschule oder Gymnasium) selektiert werden – zu Benachteiligungen im Ausbildungsweg führt, von denen besonders Migrantenkinder betroffen sind. Sogar der UN-Menschenrechtsrat hat die deutsche Ausbildungs-Diskriminierung der sozio-kulturell unterprivilegierten Bevölkerungsschichten angeprangert. Und eine neue Migranten-Umfrage der BertelsmannStiftung bestätigt, dass unsere Migranten-Mitbürger diese „Bildungs- Diskriminierung“ ihrer Kinder sehr schmerzhaft wahrnehmen. |
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| Die Hauptschul-Ausbildung ist eine Sackgasse Hauptschul-Absolventen (Abschluss in der 9. Klasse als gerade 14/15-Jährige) haben bei der Suche nach einem Ausbildungs- platz in der Wirtschaft kaum eine Chance, weil sie zu jung und gegenüber den Real- schul-Absolventen (Abschluss in der 10. Klasse) und Gymnasiasten (12. Klasse) schlechter ausgebildet sind. So finden inzwischen in Stuttgart nur noch 10-20% der Hauptschüler einen dualen Ausbil- dungsplatz, immer öfter ist es nicht ein- mal ein Einziger einer Abschlussklasse. Das Graffity an der Stuttgarter Rosen- steinschule „Wissen macht Spaß“ mag (hoffentlich) den praktizierten Schulalltag |
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| wiedergeben, es berücksichtigt jedoch nicht, wofür die Hauptschüler/innen ihr er- worbenes Wissen einsetzen können. Über 50% der Hauptschul-Absolventen der Rosensteinschule landen – da sie keinen Ausbildungsplatz finden oder eine weiterführende Schule besuchen können – in der Warteschleife des BEJ/BVJ („Berufseinstiegsjahr“ bzw. „Berufsvorbereitungsjahr“), der dann direkt in die Arbeitslosigkeit führt (Hartz IV). Selbst unser Bundespräsident bezeichnete diese Schulpolitik anlässlich eines Hauptschul-Besuches als „Schande für Deutschland“, da sie den Hauptschul-Absolventen kaum Chancen auf eine berufliche Ausbildung bietet, und damit eine gesellschaftliche Integration der jugendlichen Migranten fast unmöglich wird. |
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| Konzepte für bessere Ausbildungs- chancen Inzwischen wurde Perspektivlosigkeit und Ausbildungs-Diskriminierung von Haupt- schüler/innen von vielen staatlichen und privaten Organisationen und Institutionen erkannt. Immer mehr Modell-Projekte werden aus dem Boden gestampft, die jedoch fast alle nach 2-3 Jahren wieder eingestellt werden müssen, weil eine nachhaltige (Regel-) Finanzierung nicht gewährleistet ist. Der bundesdeutsche Staat (und insbe- sondere die Länder, in deren Hoheit die Bildungspolitik liegt) ist bisher nicht bereit, den chancenarmen Schülern eine „be- |
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| sondere Förderung“ zukommen zu lassen. Gerade die Ergebnisse der letzten PISA- Studie 2006 zeigen am Beispiel „Finnland“, wie eine individuelle und umfassende Förderung der Schwächeren den Gesamtschnitt hebt. Das ist zwar nicht der einzige Grund, warum Finnland die Spitzenstellung im Schulvergleich belegt, aber ein Wichtiger. Auch der Deutsche Schulpreis 2006 und der Deutsche Hauptschul- preis 2007 zeigen eindeutig, dass die integrative Arbeit in sozio-kulturell gemisch- ten Schulen zu weit besseren Ergebnissen führt als bei traditionell geführten Schulen; denn dort wird den Pädagogen viel mehr Engagement abverlangt. Obwohl wir es uns gerade angesichts der demographischen Entwicklung nicht leisten können, auch nur ein einziges Kind ohne qualifizierte Ausbildung aufwachsen zu lassen, wird von staatlicher Seite nicht in zusätzliche „Förder-Deputate“ und eine unterstützende „Schul-Sozialarbeit“ zur Chancenverbesserung für die Schwächeren investiert. Gerade an „Brennpunkt-Schulen“ wäre diese Zusatz- Investition in die Ausbildung jedoch extrem wichtig, um der bisher praktizierten Ausbildungs-Diskriminierung entgegen zu wirken. |
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| Die „Hauptschul-Peers“ haben es geschafft Die Rosensteinschule im Stuttgarter Nord- bahnhof-Viertel ist eine „Brennpunkt- Hauptschule“, deren Migranten-Anteil bei über 80% liegt. Die Schul-Sozialarbeit (1/2-Stelle) wird durch das Internationale Stadtteilzentrum HAUS49 geleistet, des- sen Träger die Mobile Jugendarbeit Stuttgart ist. Dort wird auch die Hausauf- gabenbetreuung für die Fünft- und Sechst-Klässler geleistet, Mittagessen ausgegeben und verschiedene Nach- mittags-AG´s angeboten. Die Peers des Hauptschul-Modellprojektes „Freunde schaffen Erfolg“ (fast gleich- |
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| altrige „Vorbilder“ mit ähnlichem sozio-kulturellen Hintergrund) kennen die Schwierigkeiten der nachfolgenden Hauptschüler-Jahrgänge und wurden durch das HAUS49 für eine 2-jährige, ehrenamtliche „Mentoren“-Funktion angeworben. Sie kommen aus demselben Stadtteil, haben die Hauptschule – meist die Rosenstein- schule – besucht, ihre weiterführende Berufsausbildung abgeschlossen und sind in ihrem Beruf erfolgreich. Sie wollen ihr Know-How „... und ich habe es trotzdem geschafft“ an die nachfolgenden Hauptschul-Jahrgänge weitergeben, gerade weil sie dem HAUS49 für die Unterstützung während der Schulzeit sehr dankbar sind. Für die betreuten Hauptschüler/innen sind ihre „Peers“ sowohl „Freunde“ als auch „andere Erwachsene“, die ihnen bei Fragen zur eigenen Lebensplanung sowie Berufsorientierung und –qualifizierung eng zur Seite stehen. Sie helfen bei der Suche nach geeigneten Praktika- und Ausbildungsplätzen, motivieren zu einem erfolgreichen Schulabschluss und geben Hilfen bei der Erarbeitung der persönlichen Lernstrategien. Sie helfen mit, dass auch die chancenarmen Hauptschüler/innen „Erfolg im Leben“ haben können. |
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| Hauptschul-Modellprojekt „Freunde schaffen Erfolg“ Jeweils 2-3 Achtklässler der Rosenstein- schule wurden ab Februar´06 von acht „Peers“ an die Hand genommen, so dass 20 der 44 Achtklässler ab dem 2. Halbjahr der Klasse-8 am Modellprojekt „Freunde schaffen Erfolg“ teilhaben konnten. Der zweite, nachfolgende Achtklässler-Jahr- gang wurde ab Mai´07 durch weitere, neu rekrutierte „Peers“ betreut, Anfang 2010 wurde schon der 5. Peer-/Schülerjahrgang gesucht. Generell ist von einem „Coaching-Bedarf“ bei ca. 50% der Hauptschüler/innen auszugehen. Eine Projektleiterin aus dem HAUS49 (1/2- |
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| Stelle) koordiniert, organisiert und dokumentiert das Projekt und akquiriert die Aus- bildungsplätze bei den Unternehmen im Umkreis. Sie ist für die Umsetzung und Weiterentwicklung des Projektes verantwortlich und arbeitet eng mit den Lehrern und der Schulleitung zusammen. Sie rekrutiert die „Peers“ und koordiniert die Peer- Trainings und Gruppentreffen. Letztendlich liegt es in den Händen der Projektleitung, ob es zu der angestrebten Partnerschaft „Unternehmen – Schulsozialarbeit – Hauptschule“ kommt. Denn nur die enge und vertrauensvolle Kooperation all dieser Partner zeitigt einen nach- haltigen Erfolg. Die Alfred Toepfer Stiftung F.S.V. hatin Zusammenarbeit mit dem BDA (Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeber) die Rosensteinschule im Dez´06 für „die gute Idee“ dieses Hauptschul-Modellprojektes zur Chancenver- besserung für Hauptschüler/innen prämiert, im Juni´08 wurde „Freunde schaffen Erfolg“ von der Türkischen Gemeinde Deutschland mit dem „Best Practice Award“ 2008 ausgezeichnet. Ziel des Modellprojektes ist es, den hohen 50%-Anteil der „BEJ/BVJ-Abgänger“ aus der Rosensteinschule, die schon als 15-Jährige kaum mehr eine befriedigende Lebensperspektive entwickeln können, auf unter 25% zu drücken und möglichst vielen dieser chancenarmen Hauptschüler/innen wieder eine Ausbildungs- perspektive zu vermitteln. |
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| Gemeinsam erreichen wir mehr Als eine der im Initiativkreis Stuttgarter Stiftungen aktiven Stiftungen hat die Louis Leitz Stiftung im Jahr 2003 den Stiftungskreis „Chancen für Bildung und Arbeit“ ins Leben gerufen. Dort kam dann Ende 2005 der Wunsch auf, sich hinsicht- lich der schwierigen Integration von Migranten in unsere Gesellschaft gemein- schaftlich zu engagieren und den (von unserem Schulsystem) benachteiligten Jugendlichen mit Migrationshintergrund bessere Chancen zum Einstieg ins Er- werbsleben zu verschaffen. Während verschiedener Expertenrunden zum Thema „gesellschaftliche Integration |
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| von Migranten“ kam der Kontakt mit dem Leiter des vielmals preisgekrönten Inter- nationalen Stadtteilzentrums HAUS49, Gökay Sofuoglu, zustande, der das Haupt- schul-Modellprojekt „Freunde schaffen Erfolg“ gerne als Projektträger durchführen und erproben wollte. Daraufhin wurde eine 2½-jährige Modellphase an der „Brenn- punkt-Hauptschule“ Rosensteinschule konzipiert und durch den Stiftungskreis „Chancen für Bildung und Arbeit“ sowie die Stabsstelle „Integrationspolitik“ der Stadt Stuttgart finanziert, die dann bis Ende 2009 fortgeführt wurde. |
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| Das Erfolgsmodell wird multipliziert Nach den ersten, positiven Erfahrungen mit dem Pilotprojekt Rosensteinschule in Stuttgart-Nordwurde das Erfolgsmodell zum Februar´08 auf die Lerchenrainschule in Stuttgart-Süd übertragen. Es war deutlich geworden, dass durch die inte- |
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grative, erfolgreiche Stadtteil- und
Familienarbeit des Internationalen Stadtteil- |
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Warum gerade PEERS? „Ich engagiere mich als Projektpate für dieses innovative Peer-Mentoring-Projekt für Hauptschüler/innen, da ich durch die Projektarbeit im Stiftungskreis „Chancen für Bildung und Arbeit“ ganz konkret auf die Problematik des deutschen „3-gliedrigen Schulsystems“ mit seiner vorprogrammierten Chancen-Ungleichheit für Migrantenkinder gestoßen wurde. Seit den PISA-Studien habe ich kein Verständnis mehr dafür, dass deutsche Bildungspolitiker die attestierte „Bildungsdiskriminierung“ von sozial Schwächeren in unserer Gesellschaft nicht als gewichtiges Problem erkennen - und vor allem nichts bzw. viel zu wenig dagegen tun. Gemäß der PISA-Studie 2006 sind in Baden-Württemberg 53,4% aller 15-jährigen Hauptschüler/innen „nicht ausbildungsreif“, insbesondere wegen Lese- und Schreib- schwächen. Und unser Schulsystem ist nicht in der Lage, diesen sprachlich benach- teiligten Kindern die notwendige individuelle Förderung zu gewähren, die eine Migrantenfamilie oftmals nicht selbst leisten kann. Eine Reform des „Bildungs- auftrages“ der Hauptschulen unseres Bundeslandes ist dringend, damit wieder mehr Hauptschulabsolventen Chancen auf dem Ausbildungsmarkt erhalten. Die wegweisenden, hochengagierten „Hauptschul-Peers“, die wir persönlich kennen gelernt haben, zeigen für die von unserem Schulsystem benachteiligten Jugend- lichen einen Weg aus der Perspektivlosigkeit; sie machen Mut, wenngleich auch sie das diskriminierende System nicht verändern können. Und trotz dieser selbst erfahr- enen Ungerechtigkeit unserer Gesellschaft engagieren sich die Peers ehrenamtlich zwei Jahre lang, meist weil auch sie Mentoren hatten, die ihnen eine Zukunfts- perspektive vermitteln konnten.“ Helmut Leitz Projektpate PEERS PS: Mehr Information zum Projekt unter www.freunde-schaffen-erfolg.de |
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